Cantiere biografico
degli Anarchici IN Svizzera








ultimo aggiornamento: 15/03/2026 - 16:59

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KOECHLIN Heinrich (Heiner) Eduard

Insegnante, libraio



Enseignant, libraire



Historiker, Lehrer, Buchantiquar



 

Hommage an Heiner Koechlin 6 | birsfälder.li

Basilea /BS 21.1.1918 - Basilea 7.5.1996

Proveniente da una famiglia socialista, frequenta gli studi in lettere e insegna per poco tempo a Basilea. Si ingaggia in favore dei rifugiati nel corso della II guerra, come Isaac Aufseher, che era stato membro dei Deutsche Anarcosyndikalisten (DAS) a Barcellona, poi dei rifugiati e immigranti spagnoli. Nel corso della II guerra pubblica in collaborazione con rifugiati antifascsiti un un foglio clandestino, Das Zirkular. Nel 1940 venne arrestato per alcuni giorni.

Nel 1947 parte per Parigi per delle ricerche sulla sua tesi sulla Comune e pubblica con il fratello Felix e Isaac Aufseher Der Freiheitliche Sozialist (10 numeri dal 1947 al 1949, stampato a Parigi), seguito dai Blätter für freiheitlichen Sozialismus (1944-1946), pubblicati a Basilea dai tre compagni, nonostante la censura imperante della guerra.
A Parigi è in contatto con anarchici francesi e spagnoli e aderisce alla CNT spagnola in esilio.

Rientrato a Basilea, fonda la casa edtrice "Don Quijote" nel 1950 per pubblicare la sua tesi sulla Comune di Parigi, che venne segnalata anche da Albert Camus e Hannah Arendt, e tradotta nello stesso anno in Argentina. Presenta l'edizione argentina de "La Revolucion" di G. Landauer. Pubblica pure delle riviste Akratie, Sisyphos, uno studio su Proudhon e numerosi traduzioni di autori libertari.
Invita sovente come oratori per il Primo maggio -  José Peirtats, Gaston Leval, Federica Montseny -  in particolare in favore della importante comunità spagnola di Basilea.


Né à Bâle le 21 janvier 1918, mort dans la même ville le 7 mai 1996.

D’une famille socialiste chrétien libertaire, Heinrich Koechlin fit des études de lettres et histoire brièvement dans sa ville ; il s’engagea en faveur des réfugiés pendant la Deuxième Guerre, comme Isaac Aufseher, qui avait été membre des Deutsche Anarchosyndikalisten (DAS) à Barcelone, puis des réfugiés et immigrants espagnols.
En 1947 il partit pour Paris faire des recherches pour sa thèse sur la Commune et publia avec son frère Felix et Isaac Aufseher Der Freiheitliche Sozialist (10 numéros de 1947 à 1949 ; imprimé à Paris), suite des Blätter für freiheitlichen Sozialismus (1944-1946) que les trois compères avaient publiées à Bâle, malgré la censure de la guerre qui sévissait encore. Il était à Paris en contact avec des anarchistes français et espagnols et adhéra à la CNT espagnol en exil.
De retour à Bâle, il fonda la maison d’édition Don Quijote en 1950 pour y publier sa thèse, qui fut remarquée par Albert Camus et Hannah Arendt, et traduite la même année en Argentine (Ideologias y tendencias en la Comuna de Paris ; rééd. Proyección, 1965). Il préfaça aussi l’édition argentine de La Revolucion de Gustav Landauer. Il publia aussi des revues (Akratie, Sisyphos), une étude sur Proudhon et de nombreuses traductions d’auteurs libertaires.
Il invitait fréquemment des orateurs pour le Premier Mai, comme José Peirats, Gaston Leval, Federica Montseny, notamment pour s’adresser à la communauté espagnole de Bâle.


Heinrich Eduard Koechlin wurde am 21. Januar 1918 als Sohn von Helene Orelli (1887-1973) und Eduard Koechlin (1883-1964) in Basel geboren, wo er am 7. Mai 1996 starb.

Heiner hatte eine drei Jahr ältere Schwester Ester (1915-1999) und ein zwei Jahre jüngeren Bruder Felix (1920-1999). Seine Mutter stammt aus einer bekannten Theologen- und sein Vater aus einer Fabrikanten-Familie. Der Vater war praktizierender Arzt in Basel. Der Mutter und ihre jüngeren Schwester Mathilde (1891-1983) wurde ein Studium verweigert, im Gegensatz zu ihren Brüdern. Beide bildeten sich jedoch autodidaktisch zu Sozialarbeiterinnen aus. Heiners Tante Mathilde Orelli besuchte 1911 in Berlin Kurse der „Frauenschule“ der Frauenrechtlerin Alice Salomon (1872-1948) und studierte beim Pionier der Friedensbewegung Friedrich Siegmund-Schultze (1885-1969) Nachbarschafsarbeit und lernte dort die Ideen der aus England kommenden sozialreformerischen Bewegung der Settlement kennen. Als sie 1926 nach Basel zurück kam gründete sie mit ihrer Schwester und ihrem Schwager ein Settlement: die Arbeitsgemeinschaft Ulme, die nebst Nachbartschafts- auch medizinische Hilfe anbot. Die medizinische Praxis, in der nebst dem Vater auch Heiners Tante als Arzthelferin arbeitete, und das grosse Wohnhaus der Koechlins wurde zum Zentrum des Settlement Ulme. Heiners Mutter organsierte Kurse für Nachbarschaftshilfe und betrieb verschiedene Lesegruppen. Es war das zweite in der Schweiz gegründete Settlement. Das erste wurde von christlichen Sozialistinnen 1919 in Zürich: der Gartenhof gegründet. Die religiöse Settlement- Bewegung berief sich zum Teil auf Kropotkins Gegenseitige Hilfe. Sie versuchte in Armutsgegenden durch radikale Sozial-Arbeit und Nachbarschaftsarbeit, den dort lebenden, Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln. Der Vater und die Mutter vom Koechlin waren Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) und gehörten dem christlichen pazifischen Flügel an. Die Koechlins waren wichtige Vertreter*innen der religiös Sozialistischen Bewegung in der Schweiz, die lange stark vom Anarchismus geprägt war. Zu ihren Gründern gehörte der anarchistisch/syndikalistische Pastor Jean Daniel Matthieu (1874-1921), Leonhard Ragaz (1868-1945) und Clara Nadig Ragaz (1874-1954). Leonhard Ragaz verstand sich lange Zeit als Anarchist und stand in Verbindung zu Gustav Landauer (1970-1919). Eine enge Freundin Landauers und Anarchafeministin, avant la lettre, die jüdische Religionsphilosophin Margarete Susman (1872-1966), war eine wichtige Publizistin und Vordenkerin der religiösen Bewegung in der Schweiz, der sie sich nach ihrer Flucht in der Silvesternacht 1933 aus Deutschland, anschloss. Heiner Koechlin wird immer mal wieder Bezug auf ihre Aufsätze nehmen. Auch Eduard Koechlin, Heiners Vater, kann zur libertären, sozialistischen Richtung der Bewegung gerechnet werden, weshalb es wenig verwunderlich ist, dass Heiner in der persönlichen Bibliothek seines Vaters anarchistische Bücher, die ihn beeinflussten, vorfand. Wie seine Eltern, so schloss sich auch Heiner Koechlin 1934 der SPS an. Dort wirkte er zunächst in deren Jugendorganisation der „sozialistischen Jugend“. Ein paar Jahre später schloss sich auch der Bruder Felix ihnen an. Die beiden gelangten bald in Opposition zu den elterlichen Positionen, einerseits weil sie ihren religiösen Glauben ablehnten und anderseits, weil sie sich vom ihrem Pazifismus distanzierten; angesichts der damaligen weltweiten Bedrohung durch den Faschismus, allen voran der Machübernahme durch die Nationalsozialist*innen in Deutschland und der Niederlag des bewaffneten Widerstands der österreichischen Sozialist*innen 1934 in Wien und des Ausbruchs des Bürgerkriegs 1936 in Spanien. Der Vater Heiners trat 1942 sogar aus der SPS aus, weil diese nun die Landesverteidigung durch eine Armee befürwortete und weil sich im "roten Basel“, die SPS hatte seit 1935 die Regierungsmehrheit in Stadt und Kanton Basel, die Sozialpolitik für die untersten Schichten verschlechterte. Koechlin und sein Bruder Felix waren undogmatische, kritische Marxisten, in der Richtung von Karl Korsch(1886-1961) geworden, womit sie damals zum libertären Elternhaus etwas in Opposition standen. Felix und Heiner gehörten in den 1930er Jahren der „«Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft» (SAG) an, einer eher informellen Gruppe linker SP-Mitglieder in Basel, welche sich unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland und dem Aufkommen der [faschistischen] Frontenbewegung in der Schweiz zusammengefunden hatten, um die Partei in Basel auf einen entschlossenen Linkskurs festzulegen. Zu ihnen gehörte auch das Ehepaar Clara Enser Thalmann (1908-1987) und Paul Thalmann (1901-1980). Die Thalmanns wurden zur wichtigen Quelle über die spanische Revolution und den dortigen Anarchismus für die Koechlins, den Clara Thalmann reiste am 18. Juli 1936 nach Spanien und schloss sich dort den anarchistischen Milizen an. Die Brüder Koechlin wandten sich in dieser Zeit vom Marxismus ab und ganz dem Anarchismus zu und schlossen sich der einzigen Anarchistengruppe in Basel, die italienischsprachig war, an. Dazu kam es, weil sie einerseits 1940 keinen Platz mehr in der sozialdemokratischen Jugendorganisation hatten, denn zu dieser Zeit schlossen viele Jugendliche und junge Erwachsene der 1940 verbotenen KPS der SP-Jugendorganisation an, wodurch der Stalinismus in ihr immer dominanter wurde. Und anderseits, weil sie in dieser Zeit mit dem jüdischen Flüchtling Isak Aufseher ("Isi",1905-1977) Freundschaft geschlossen hatten, durch den sie bestärkte wurden sich dem Anarchismus anzuschliessen. Die Koechlins erfuhren durch Isi, wie ihn seine Freunde nannten, wie von den Thalmanns, aus erster Hand über das Wirken des spanischen Anarchismus. Heiner knüpfte in den 1940ern Kontakte zu den wenigen verbliebenen zentralen Figuren des Schweizer Anarchismus wie Luigi Bertoni und Fritz Brupbacher. In Basel bauten Isi, Heiner und Felix, ausserhalb der italienischen Gruppe, eine weitere anarchistische Gruppe auf, die sich ab 1945 Arbeitsgruppe freiheitlicher Sozialisten nannte. Koechlin verstand sich immer als Antimilitarist, rückte aber 1941 trotzdem ins Militär ein weil er damit dem "Totalitarismus der Nazis" entgegentreten wollte. Während seines Studiums der Geschichte und Literatur, machte er 1941 das Gymnasiallehrer-Diplom für Geschichte. Er nahm eine Stelle als Lehrer in einer Schule für Flüchtlingskinder im Kanton Freiburg an."In dieser Umgebung lernte ich das Judentum und dessen Traditionen sowie auch den Zionismus von seiner menschlichen Seite her kennen." (Erinnerungen). Diese innig Nähe zum Judentum verstärkt sich beim Heiner Koechlin. Er nahm 1946 zusammen mit Isi Wohnsitz in Paris um dort Material für seine Dissertation über die Pariser Kommune ( Die Pariser Commune im Bewusstsein ihrer Anhänger) zu sammeln, die 1950 im Eigenverlag (Don Quijote) erscheinen und im gleichen Jahr noch ins Spanische übersetzt und von Personen, wie zum Beispiel Hanna Arendt, wohlwollend rezipiert werden sollte. Daneben verlegte und druckte er in Paris die Zeitschrift Der Freiheitliche Sozialist (1947-49), die von Felix Koechlin, Isak Aufseher(der Paris wieder verlassen hatte) und Anderen aus Basel mit Artikeln versorgt wurde und im ganzen deutschsprachigen Raum Verbreitung fand.  In Paris trat er mit den dort lebenden jüdischen Anarchist*innen, die teilweise noch Jiddisch sprachen und publizierten in Kontakt. "Auch Juden kreuzten wieder meinen Weg. Diesmal waren es keine Zionisten, sondern Anarchisten, teils Deutsche und Österreicher, die hier die Nazibesetzung überlebt hatten, teils aus früheren Immigrationen stammende Osteuropäer, die mit ihrer jiddischen Sprache auch ihre alten Ideale bewahrt hatten." Einer von ihnen war Egon Illfeld (1914-198*), ein anarchistischer Spanierkämpfer, der jetzt unter dem spanischen Namen Gines Garcia in Paris lebte und bei dem Heiner Koechlin ein Zimmer bezog. Durch Isi und Egon lernte Heiner auch den alten jüdischen Anarchosyndikalisten und Spanierkämpfer Arthur Lewin (1907-1976) kennen, der Auschwitz überlebt hatte. Arthur führte Koechlin in die Kleinhändlerszene um das berühmte Auktionshaus Drouot und die Bücherwelt der Bouquinisten ein. "Bei solchen Gelegenheiten legte ich mir einen Vorrat an Büchern an, mit dem ich dann in Basel den Grundstein zu einem Antiquariat legte. In Paris befreundete er sich auch mit dem "Dionysos" der Anarchisten, Antonio Garcia Birlan (1892-1984). Der ehemalige Landarbeiter und Zimmermann, war ein hochgebildeter Kolumnist und Publizist u.a. bei der Solidaridad Obrera der Exilzeitung der CNT.

1944 war in der Basler Anarchist*innengruppe die Revolutionshoffnung gross. Das Manifest „Die kommende Revolution“, das 1944 noch unter Kriegszensur in der Schweiz verteilt wurde, erklärte, dass “grosse revolutionäre Umwälzungen bevor stehen.“ Diese und andere Schriften wurden ab 1945 als Blätter für freiheitlichen Sozialismus, der Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Sozialisten, herausgegeben. Eine hektographierte Flugschrift von 1945 „Für eine neue revolutionäre Arbeiterbewegung“, sie erlangte im befreiten Deutschland unter den sich neu bildenden libertären Zirkeln einen gewissen Einfluss, trumpfte mit der Festellung auf: „Die alte revolutionäre Arbeiterbewegung ist tot, Die Arbeiter müssen eine neue aufbauen.“ Die neue sollte sich als Vorbild die CNT Spaniens von 1936 nehmen. Doch die vor dem Kriegsende erhoffte radikale Revolution in Europa blieb aus und die Hoffnungen verflogen nach dem Krieg schon bald, auch angesichts der Erlebnisse Heiners in Paris, wo sich die verschiedenen anarchistischen Richtung mehr bekämpften, als dass sie gemeinsame Ziel verfolgt hätten. Heiner Koechlins zwei Lebenswelten, auf die er sich immer wieder bezog, war zum einen, das anarchistische Spanien von 1936 und zum anderen die jüdische-anarchistischen Kibbuzim Israels. Diese Lebenswelten überschnitten sich vielfach, denn viele, auch nichtjüdische Anarchist*innen, flohen nach Palästina um dort am Aufbau von Kibbuzim mitzuhelfen. Koechlin veröffentlichte darüber 1976 in seiner Zeitschrift Akratie einen Erlebnisbericht des Anarchosyndikalisten Jose Ribas: „Das Leben im Kibbuz“. Heiner Koechlin, der sehr gut spanisch, französisch und etwas italienisch sprach, wurde auch zum Spanier durch die Heirat mit Elisa Valcarce(1929-), die er 1958 heimlich kirchlich in Spanien und 1959 offiziell in der Schweiz heiratete. Trotz immer wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen, so musste er 1950 und 1970 wegen Tuberkulose länger Zeit in die Kur, organsierte er in Basel eine kleine spanische, gewerkschaftliche Anarchist*innen-Gruppe, die auch spanisch sprechenden Emigrant*innen gewerkschaftlich Hilfe anbot und die permanent gegen die Franco-Diktatur protestierte, sowie am offiziellen 1. Mai eine zeitlang anarchistische Redner*innen, z.B. José Peirats(1908-1989), Federica Montseny(1905-1994) aber auch Augustin Souchy (1892-1984) organisierte.

Als sich 1967/68 Jugend- und Studentenproteste in ganz Europa ausbreiteten, aus dem sich ein sogenannter Neo-Anarchismus formierte, waren ihm die Ideologie und der härtere Stil der neuen, jungen Anarchist*innen fremd. Koechlin fühlte sich von der lokalen libertären Szene ausgeschlossen, denn ein Dialog schien kaum mehr möglich. Mitten in diesen wilden Auseinandersetzungen mit den neuen Linken zwang eine neuerlich ausgebrochene Tuberkulose Heiner Koechlin im Herbst 1970 zu einem weiteren Kuraufenthalt in Davos. Dort konkretisierte sich der Gedanke, nochmals eine Zeitschrift zu publizieren, um seine alten Ideale und Ideen und die seiner Genoss*innen und Freund*innen wachzuhalten. Doch erst im Februar 1973 wird die erste Nummer der Akratie erscheinen. Er wendet sich vom, wie er meint, belasteten Begriff Anarchismus ab, um dafür das von P.-J. Proudhon und Martin Buber geprägte Wort Akratie zu setzen. Koechlin befasst sich mit der Geschichte des spanischen Syndikalismus, um im Sinne A. Camus’, der im revolutionären Syndikalismus die zukünftige Alternative sah, deren Aktualität zu belegen. Daneben arbeitete Koechlin mit den religiösen Sozialisten um die Zeitschrift „Neue Wege“ zusammen; er sieht sich nun im Sinne A. Camus als Religiöser ohne Gott. Er engagiert sich gegen die Diktaturen in Chile, Kuba und den aufkommenden Antisemitismus und Neofaschismus. 1980, nach Aufgabe der Zeitschrift „Akratie“, u.a. Mitarbeit bei „Die Freie Gesellschaft“ (Neue Folge 1981-1986) und Gründung der Schriftenreihe „Sisyphos“. Der Titel „Sisyphos“ war inspiriert von A. Camus’ Versuch über das Absurde „Le mythe de Sisyphe“. Sisyphos steht für den Kampf gegen den Determinismus der Welt und zugleich als Symbol eines anarchistischen Lebenskampfes, in diesem Sinne auch Koechlin gesehen werden kann, war er doch gleich Sisyphos ein glücklicher Mensch, dem „der Kampf gegen Gipfel“ sein Herz zu füllen vermochte.

Koechlin aktualisierte den Anarchismus durch die Verbindung von ontologischen Fragen mit dem der Herrschaftsproblematik, was er schon in seiner Arbeit zur Kommune thematisierte: „Die Auseinandersetzung zwischen Gedanke und Wirklichkeit zwingt (...) den Revolutionär, sich mit der Wirklichkeit, seinem Ideal und mit sich selbst auseinanderzusetzen“ („Pariser Kommune“). Er schaffte eine neue Verbindung eines nicht unkritisch rezipierten anarchistischen Denkens P.-J. Proudhons, Gustav Landauers mit der existentialistischen Philosophie eines Karl Jaspers und Albert Camus. Dabei versuchte er eine philosophische Balance zwischen anarchistischen Massenbewegungen wie dem Anarchosyndikalismus und dem Solipsismus des Einzelnen zu finden. Koechlin misstraute dem rein Rationalen, Wissenschaftlichen und räumte dem Absurden als lebensnotwendiges Korrektiv der Vernunft einen Platz im libertären Denken ein.

Heiner Koechlin war ein Praktiker und anarchistischer Rufer in der Schweizer Linken, durch den sich immer wieder neue Generationen von Anarchist*innen herausgebildet und inspiriert haben. Koechlins Wirken ermöglichte es dem Deutschschweizer Anarchismus bis heute eine ununterbrochene Tradition zu pflegen. (Auszüge von https://www.dadaweb.de/wiki/Koechlin,_Heinrich_Eduard)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Nachlass: ISH Amsterdam/Heiner Koechlin Papers

Typoskript:Am Rande des Geschehens, Erinnerungen

Polizeifiche Heiner Koechlin

Isabel Koellreuter/Franziska Schürch: Heiner Koechlin 1918-1996 Porträt eines Basler Anarchisten, Basel 2013

Werner Portmann: Den Drachen Jagen, Moers 2025

 

 


FONTI:

ME-GB-WP // Hadrien Buclin, in "Défense nationale ou Défense de classe? - Cahiers Aéhmo 30, Lausanne 2014 /




CRONOLOGIA: