Cantiere biografico
degli Anarchici IN Svizzera








ultimo aggiornamento: 24/05/2026 - 13:36

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Zanolli Pia

Schneiderin, Kunsthandwerkerin, Publizistin



Pia Zanolli (Belluno, 21 ottobre 1896 - Roma,  18 giugno 1980)

Nata a Belluno da Enrico e Antonietta Recati, di professione sarta e casalinga, Pia Zanolli cresce in una famiglia anarchica che per sfuggire a passibili persecuzioni giudiziarie durante gli anni tumultuosi della Prima guerra mondiale si trasferisce in Svizzera, a Zurigo. Qui, a partire dall'estate 1917, la famiglia Zanolli ospita frequentante l'anarchico Bruno Misefari, rifugiatosi in Svizzera in quanto disertore. Pia e Bruno si innamorano, si frequentano e portano avanti insieme una vivace attività politica grazie al fervente attivismo della comunità anarchica italo-svizzera.

Vicino a Misefari nel suo peregrinare per l'Europa e l'Italia (espulso dalla Svizzera, si reca prima in Germania e poi nel 1919, dopo l'amnistia, fa rientro nella penisola), viene arrestata a Domodossola (VB) nel dicembre 1919 insieme al compagno.

Iscritta dal regime fascista nell'elenco dei sovversivi pericolosi da arrestare, si unisce in matrimonio con Bruno Misefari nel 1931. L'anno seguente Pia Zanolli si trasferisce a Ponza per raggiungere il marito, mandato al confino politico in quella colonia dal fascismo.

Dopo la morte del marito, Pia Zanolli ha dedicato gran parte del suo tempo a raccogliere e archiviare materiale inerente il pensiero e le opere del compagno. Nel 1967 ha pubblicato la biografia di Misefari dal titolo L'anarchico di Calabria, che è stata in seguito rieditata cinque anni dopo. (https://www.anarcopedia.org/index.php/Pia_Zanolli)

 


Pia Zanolli am 21. Oktober 1896 geboren in Belluno, (Italien), gestorben in Rom,  18. Juni 1980 

Sie wurde in Belluno als Tochter von Enrico und Antonietta Recati geboren, einer bescheidenen anarchistischen Familie – die mit der sozialistischen Dichterin Ada Negri befreundet war –, die in den 1910er Jahren ins Exil nach Zürich floh, um möglichen gerichtlichen Verfolgungen zu entgehen. Dort lebte die Familie Recati seit 1905: „1905 zieht die Familie Zanolli-Recati mit den drei Töchtern Pia (9), Lea (6) und Zoe (3) sowie Zia Angiolina nach Zürich, wo im Jahr darauf der Sohn mit dem ungewöhnlichen Namen Ver geboren wird. Enrico, der gelernte Schmied, kann in einer Garage im Zürcher Seefeld arbeiten. Rasch findet Antonietta Anschluss an eine italienische Laientheatergruppe, in der auch die Kinder kleine Auftritte haben. Später besuchen diese Kurse in der Semmler-Rinke-Schule, einem Institut für Tanz und Rhythmik, wo nach neuen Methoden unterrichtet wird, und treten in verschiedenen Schweizer Städten auf. Die von der Mutter entworfenen Kleider fallen auf und in Zürich beginnt man, über die modernen Entwürfe der Schneiderin aus Italien zu sprechen.(…) Pia und Lea belegen verschiedene Kurse an der Kunstgewerbeschule in Zürich, wo sie Sticken bei Berta Baer, ornamentales Zeichnen bei Otto Morach und figürliches Zeichnen bei Ernst Georg Rüegg lernen, was sich im Atelier Zanolli niederschlägt. Einige Erzeugnisse jener Zeit zeigen eine ähnliche Formensprache wie die Objekte von Sophie Taueber-Arp, die ab 1916 dort unterrichtet. Während des Ersten Weltkriegs wird Zürich zum Hotspot experimenteller Kunst, so der Dadaismus im Cabaret Voltaire 1916 oder der moderne Ausdruckstanz von Mary Wigman, den die Zanolli Töchter bei ihr lernen. Antonietta ist auch politisch interessiert und mit der Sozialistin Angelica Balabanoff sowie der Dichterin Ada Negri befreundet. Emigrierte italienische [Anarchist*innen], Sozialisten und Pazifisten besuchen die Familie Zanolli.“ (Ruth Vuilleumier Mut zur Farbe, https://seniorweb.ch/2022/05/16/mut-zur-farbe/)

Ab dem Sommer 1917 beherbergte die Familie Zanolli verschiedene italienische Anarchist*innen, darunter den aus Reggio stammenden Bruno Miséfari (1892–1936), der als Deserteur in die Schweiz geflohen war. Pia und Bruno verliebten sich auf den ersten Blick, kamen sich näher und führten gemeinsam, auch dank des engagierten Aktivismus der italienisch-schweizerischen anarchistischen Gemeinschaft, eine dynamische politische Tätigkeit fort. Die beiden begannen zusammenzuleben. Nachdem Bruno aus der Schweiz wegen der Zürcher Bombenaffäre ausgewiesen worden war, begaben sie sich nach Deutschland und kehrten unmittelbar nach der Amnestie von Nitti für Deserteure (2. September 1919) nach Italien zurück. Von der Polizei darin gehindert, wurden beide bei ihrer Rückkehr in Domodossola verhaftet. Nach ihrer Freilassung folgte Pia ihm zunächst nach Neapel und dann nach Kalabrien. Im August 1921 ließen sie sich in Reggio nieder. Und als Bruno 1922 sein Studium in Neapel wieder aufnahm, wo er seinen Abschluss in Ingenieurwesen machte und sich anschließend an der geisteswissenschaftlichen Fakultät einschrieb, pendelte er zwischen Neapel und Reggio hin und her.  Sie stand Bruno zur Seite, sowohl bei seinen publizistischen Initiativen (1924 gründeten sie zusammen mit anderen Anarchist*innen die Zeitschrift L'Amico del Popolo, die nach der vierten Ausgabe von der faschistischen Regierung verboten wird) als auch bei den unternehmerischen Initiativen ihres Mannes – der als Erster in Kalabrien die Glasindustrie aufbaute und 1926 in Villa San Giovanni die erste Glasmanufaktur (Società Vetraria Calabrese) gründete, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der faschistischen Industriellen der Provinz Reggio, Nicola Siles und dem faschistischen Funktionär Giuseppe Zagarella aus Villa San Giovanni .

In Reggio widmete sich Pia der Malerei, und zwei ihrer Werke (Forze cromatiche und Pigama) wurden 1926 auf der kalabrischen Biennale im futuristischen Saal ausgestellt, der vom zwanzigjährigen Maler Enzo Benedetto organisiert worden war. Neben ihr, die dem anarchistischen Flügel des Futurismus angehörte, stellten Vertreter der faschistischen Marinetti-Bewegung aus. 1927 kehrte Pia Zanolli nach Zürich zurück, doch schon zwei Jahre später war sie wieder in Kalabrien.

Vom faschistischen Regime auf der Liste der gefährlichen Subversiven geführt, die unter bestimmten Umständen zu verhaften waren, heiratete sie am 28. Mai 1931 Bruno, der sich schon zum zweiten Mal im Gefängnis befand, da er am 31. März erneut verhaftet worden war (im Juli wurde er dann in die Kolonie von Ponza ins Exil geschickt). Um zu ihrem Mann zu gelangen, war die Heirat notwendig, also  «den Weg über das Gesetz, die Institutionen und die Bürokratie zu gehen, die den Libertären seit jeher verhasst sind». Anlässlich ihrer Hochzeit ließen sie eine Erinnerungskarte drucken, auf der stand: „Auf Geheiß des Staates haben Pia Zanolli und Bruno Misefari beschlossen zu heiraten. Freund, genieße es, Sklave, lerne daraus!“. 1933 hielt sie sich vorübergehend in Zürich auf. Ihr Mann folgte ihr, und gemeinsam kehrten sie nach Italien zurück, wo bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert wurde. Trotzdem arbeitete Bruno weiter, und das Paar ließ sich Anfang 1934 in Davoli in der Provinz Catanzaro nieder, wo er einen Betrieb zur Quarzgewinnung gründete. Die folgenden Jahre waren für beide schwierig, sowohl wegen der gesundheitlichen Probleme ihres Mannes als auch wegen des faschistischen Regimes.

Nach Brunos Tod in Rom am 12. Juni 1936 widmete sie einen Großteil ihrer Zeit dem Sammeln und Archivieren von Material über das Denken und die Werke ihres Mannes, über den sie 1967 die Biografie mit dem Titel L'anarchico di Calabria veröffentlichte, mit einer Einleitung von Giacomo Mancini und einem Vorwort von Pietro A. Buttitta, die fünf Jahre später neu aufgelegt wurde. In den 1960er Jahren widmete sie ihrem Mann auch einen Gedichtband, und 1975 betreute sie die Herausgabe des Bandes Utopia? No! Ausgewählte Schriften von Bruno Misefari. Pia Zanolli veröffentlichte noch weitere Werke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in Rom, wo sie im Alter von 84 Jahren in ihrem Haus in der Via Flaminia starb, in Anwesenheit von Lea und Ver Zanolli, ihrer Schwester und ihrem Bruder. Sie ruht auf dem Friedhof Verano in Rom im selben Grab wie Bruno Misefari.


FONTI: WP


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