Rocker Rudolf
Buchbinder, Publizist, Verleger

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Mainz 25. März 1873 -19.September 1958 Crompond/New York
Am frühen Nachmittag des 4. März 1933 kamen Rudolf Rocker und seine Frau Milly Witkop auf der Flucht vor der dem nationalsozialistischen Staat in Deutschland, in Basel an. Dort stiegen sie in einem kleinen Hotel am Rhein ab. Sie reisten aber schon am 8. März wieder ab, um sich in Zürich mit einer ganzen „Anzahl alter Freunde“ und Genoss*innen zu treffen. In Zürich bezogen sie im Volkshaus ein Zimmer. Am Nachmittag des 9. März fand ein erstmaliges persönliches Treffen mit Fritz Brupbacher statt. Rocker und Brupbacher waren über ihren gemeinsamen Freunde Max Nettlau in Kontakt getreten. „Sein offenes und freies Wesen nahm mich sofort für ihn ein und es dauerte nicht lange, so plauderten wir wie alte, vertraute Freunde mit einander.“, erinnert sich Rocker in seinen Lebenserinnerungen. Rocker erinnert sich weiter: “Brupbacher war ein Mensch, der nie fertig war und stets nach neuen Erkenntnissen rang. Deshalb passte er nie richtig in einen bestimmten Parteirahmen und stand schon damals den Gedankengängen des Anarchismus sehr nahe. (…) Seiner geistigen Veranlagung nach war Brupbacher eigentlich stets Anarchist.“ Am Abend waren Brupbacher, Rudolf Rocker und sein Frau Milly Witkop zum Abendessen bei der Familie von Bernhard Mayer eingeladen. Dort trafen Rudolf und Milly ebenfalls einen alten anarchistischen Mitstreiter: Erich Marks, der mit Rocker schon seit seiner Zeit der Jungen in Zürich (der radikalen, teils anarchistische Opposition innerhalb der Deutschen und Schweizer Sozialdemokratie der 1890er Jahre) in Verbindung stand. „Es herrschte eine freundliche, warme Stimmung in jenem traulichen Kreise, die uns nach den überreizten Tagen der letzten Woche umso wohltuender berührte.“ Erinnert sich Rocker. Erich Maks, der eng mit der italienischsprachigen Anarchistengruppe in Zürich verbunden war, organsierte ein paar Tage später einen Vortrag in der Gruppo libertario, wo Rocker über „letzten Ereignisse in Deutschland“ berichtete. An diesem Abend lernten die Rockers erstmals Luigi Bertoni kennen. Mit „Bertoni, der zu den besten Vertretern der freiheitlichen Bewegung aller Länder gehörte“, diskutierten Milly und Rudolf die Aussichten einer „Eindämmung der Gefahr“ des totalen Sieges des Faschismus in Europa. Wie Bertoni extra von Genf nach Zürich reiste, kam auch ein alter Freund Yudl Tupman von Genf nach Zürich, um die Rockers zu treffen. Tupman „freute sich herzlich, uns in Sicherheit zu wissen.“ Ende März 1933 verliessen Rudolf Rocker und Milly Witkop Zürich und reisten weiter nach Saint Tropez, auf eine Einladung hin, die sie von Emma Goldman, erhalten hatten, denn in der Schweiz konnten sie nicht bleiben. „(…) Ich hätte dort auf jede öffentliche Tätigkeit verzichten müssen, um keine Ausweisung zu riskieren, weil auch dort die Reaktion sich bereits in unangenehmer Weise bemerkbar machte.“ erinnert sich Rocker. „(…)wir fühlten uns beide etwas bedrückt, als wir endlich von den lieben Freunden in Zürich Abschied nehmen mussten.“
FONTI: WP
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